Forschung der Mitglieder

Toman Barsbai, Dieter Lukas and Andreas Pondorfer. Local Convergence of Behavior across Species. Science (2021)

Credit: Brian Wood

Die Studie zeigt, dass Menschen aus Jäger- und Sammlergesellschaften ihr Leben bei der Nahrungssuche, Fortpflanzung, Betreuung des Nachwuchses und sogar hinsichtlich ihres sozialen Umfelds ähnlich organisieren wie Säugetier- und Vogelarten, mit denen sie ihren Lebensraum teilen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass lokale Umweltbedingungen das Verhalten von Menschen und nicht-menschliche Arten entscheidend beeinflussen und globale Unterschiede in Verhaltensmustern erklären können.

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Axel Dreher, Andreas Fuchs, Bradley Parks, Austin Strange, and Michael J. Tierney (2021). Aid, China, and Growth: Evidence from a New Global Development Finance Dataset. American Economic Journal: Economic Policy, Volume 13, Issue 2, Pages: 1–40.

China hat sich zu einer wichtigen Quelle der globalen Entwicklungsfinanzierung entwickelt, aber die Art und die Folgen seiner offiziellen Finanzierungsaktivitäten sind nur unzureichend bekannt. Das Fehlen systematischer Belege und rigoroser Analysen zu den Auswirkungen der chinesischen Entwicklungsfinanzierung auf das Wirtschaftswachstum stellt einen großen blinden Fleck in der Literatur dar. In diesem Artikel wird ein neuer Datensatz der offiziellen Entwicklungsfinanzierung Chinas an 138 Entwicklungsländer zwischen 2000 und 2014 vorgestellt. Dies erlaubt uns dann zu untersuchen, ob chinesische Entwicklungsfinanzierung das Wirtschaftswachstum in den Empfängerländern beeinflusst. Die Ergebnisse zeigen, dass chinesische Entwicklungsfinanzierung das Wirtschaftswachstum kurzfristig ankurbelt. Ein zusätzliches Projekt erhöht das Wachstum zwei Jahre nach der Zusage im Durchschnitt um 0,41 bis 1,49 Prozentpunkte. Diese Effekte bleiben über verschiedene Sektoren der Entwicklungshilfe hinweg bestehen und scheinen durch einen Anstieg der Investitionen und – in geringerem Maße – des Konsums getrieben zu sein. Während diese Studie nicht zu dem Ergebnis kommt, dass signifikante finanzielle Unterstützung aus China die Gesamtwirksamkeit der Hilfe westlicher Geber beeinträchtigt, ist die Hilfe aus den USA in Ländern, die keine substanzielle Unterstützung aus China erhalten, tendenziell effektiver. Insgesamt sollten diese Erkenntnisse einige der Befürchtungen zerstreuen, die von politischen Entscheidungsträgern geäußert wurden, dass China als „Schurkengeber“ die Wirksamkeit westlicher Hilfe untergräbt.

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Elías Cisneros, Krisztina Kis-Katos and Nuryartono, Nunung (2021): Palm oil and the politics of deforestation in Indonesia, Journal of Environmental Economics and Management, https://doi.org/10.1016/j.jeem.2021.102453

Dieser Artikel untersucht die Wechselwirkungen politischer und wirtschaftlicher Anreize zur Abholzung in Indonesien. Auf Basis von Paneldaten auf Distriktebene von 2001 bis 2016 analysieren wir die Entwicklung von fernerkundeten Waldverlusten sowie die Vergabe von Landnutzungslizenzen. Wir verknüpfen diese Dynamiken mit politischen Anreizen, die vor idiosynkratisch getakteten Bürgermeisterwahlen entstehen; sowie mit lokalen Preisvariationen, die aus geoklimatischen Indizes und globalen Preisschwankungen für Palmöl berechnet werden. Die Ergebnisse dokumentieren eine um 4% höhere Abholzung im Jahr vor lokalen Bürgermeisterwahlen. Zusätzlich spielt Palmöl eine entscheidende Rolle bei der Entwaldungsdynamik. Die Abholzungsraten steigen um 7% an Orten, die um eine Standardabweichung stärker dem Preisanstieg für Palmöl ausgesetzt sind. Diese Effekte kumulieren gemeinsam zu fast 19% größeren Waldverlusten in Jahren vor Wahlen an Orten mit einem um eine Standardabweichung erhöhten Palmölpreisanreiz. Diese Ergebnisse liefern Belege dafür, dass sich wirtschaftliche und politische Anreize gegenseitig verstärken und signifikante Treiber in der Entwaldung für Ölpalmanbau sind.

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Menusch Khadjavi, Kacana Sipangule Khadjavi, and Rainer Thiele (2021). Social Capital and Large-Scale Agricultural Investments: An Experimental Investigation. The Economic Journal, Volume 131, Issue 633, Pages 420–449

Nach der globalen Nahrungspreiskrise 2007-2008 haben Investoren vermehrt große Landflächen in Entwicklungsländern erworben. Wir untersuchen an Beispielen aus Sambia, wie sich die Etablierung großer Farmen auf das interpersonelle Vertrauen und die Reziprozität – wichtigen Komponenten des Sozialkapitals – in umliegenden Dörfern ausgewirkt haben. Zu diesem Zweck vergleichen wir Dörfer in unmittelbarer Nähe zweier Großfarmen mit einer Kontrollgruppe weiter entfernt liegender Dörfer. Anhand von Experimenten können wir zeigen, dass in den Dörfern in der Nähe der Großfarmen das gegenseitige Vertrauen der Bewohner größer ist, was mit der Hypothese einer gemeinsamen Reaktion der Dorfbewohner auf die Ankunft der Großfarmen („Communal Coping“) vereinbar ist.  Reziprozität tritt häufiger auf, wenn Dorfbewohner auf der Großfarm beschäftigt sind. Dies weist auf den Aufbau von Reputation hin.  

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Danzer, Alexander M., Robert Grundke (2020). „Export price shocks and rural labor markets: The role of labor market distortions.” Journal of Development Economics, 2020, Volume 145, 102464

Interview mit einer Gruppe von Feldarbeiterinnen im Bezirk Konibodom im Norden Tadschikistans
© Robert Grundke

Können Arbeiterinnen in Entwicklungsländern Vorteile aus dem Handel ziehen? Um diese Frage zu beantworten, greifen Alexander M. Danzer (KU Eichstätt-Ingolstadt) und Robert Grundke (OECD) auf Fluktuationen im Weltmarktpreis für Baumwolle zurück und identifiziert die Auswirkungen höherer Exportpreise auf die Löhne armer Landarbeiterinnen in der Baumwollernte am Beispiel Tadschikistans. Die gestiegene Nachfrage nach Arbeitskräften während der Hochpreisphasen verdoppelt die Löhne für Baumwollpflückerinnen auf kleinen Privatfarmen, hat jedoch keinen Einfluss auf die Löhne auf großen (halb)staatlichen Farmen. Die unterschiedliche Behandlung der Arbeiterinnen ist auf Marktmacht und die weiterhin verbreitete Zwangsarbeit—nicht zuletzt von Schülerinnen und Studentinnen—in großen Unternehmen während der Baumwollernte zurückzuführen. Die Autoren schlussfolgern, dass Handel in Abhängigkeit von politischen Strukturen, bei denen lokale Politiker und Manager halbstaatlicher Unternehmen zusammenarbeiten, Gewinner und Verlierer produziert.

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Heß, Simon, Dany Jaimovich und Matthias Schündeln. „Development projects and economic networks: Lessons from rural Gambia.“ The Review of Economic Studies (2021)

Die Autoren untersuchen die Auswirkungen von partizipativen Entwicklungsprojekten auf soziale und ökonomische Netzwerke in Dörfern in Gambia. Partizipative Entwicklungsprojekte binden die Dorfbewohner aktiv in Finanzierungs- und Entscheidungsprozesse ein, mit dem Ziel, effektivere Projekte zu schaffen und lokale Institutionen zu stärken. Diese Projekte, insbesondere Community-Driven Development (CDD)-Projekte, finden sehr weite Anwendung in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.  Allein die Weltbank unterstützt 327 CDD-Projekte in 90 Ländern mit einem Kreditvolumen von über 33 Milliarden US$ (Stand 2021). Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Auswirkungen solcher Projekte auf lokale (Dorf-)Gemeinschaften zu verstehen. Bestehende Forschungsarbeiten zu den beabsichtigten Wirkungen von CDD-Projekten sind in ihrer Breite begrenzt und finden typischerweise bestenfalls moderate positive Effekte. Gleichzeitig besteht bei CDD-Projekten die Gefahr, dass sie unbeabsichtigte negative Auswirkungen haben, z.B. durch ihre Wechselwirkungen mit lokalen Machtstrukturen und Entscheidungsmechanismen oder durch potenziell ungleich verteilte Nutzen.

Die Autoren zeigen zunächst aus einer theoretischen Perspektive, dass die Auswirkungen von CDDs auf Entscheidungsprozesse und ungleich verteilte Nutzen Auswirkungen auf soziale und ökonomische Netzwerke haben können. Um den Effekt von CDD-Projekten auf Netzwerke empirisch zu untersuchen, nutzen die Autoren die zufällige Zuteilung eines CDD-Projekts an Dörfer in Gambia. Sie sammelten detaillierte Daten über soziale und ökonomische Interaktionen in 56 Dörfern, von denen die Hälfte in der Vergangenheit CDD-Projekte erhalten hatte.  Das zentrale empirische Ergebnis ist, dass die Dichte sozialer und ökonomischer Netzwerke in Programmdörfern geringer ist als in Nicht-Programmdörfern. Angesichts der Bedeutung dieser informellen Netzwerke für die gegenseitige Absicherung (z.B. im Krankheitsfall) impliziert die geringere Dichte der Netzwerke einen negativen Effekt auf die erwartete Wohlfahrt der Haushalte. Weitere empirische Analysen deuten darauf hin, dass elite capture (d.h. die Aneignung von Projektgewinnen durch lokale Dorfeliten) zum Problem der ungleich verteilten Vorteile aus dem CDD-Projekt beigetragen hat, was wiederum zu Konflikten führte, und so die Schwächung der Netzwerke erklären kann. Insgesamt zeigen die Ergebnisse mögliche unbeabsichtigte negative Folgen von partizipativen Entwicklungsprojekten auf.

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“Is There a Rainbow after the Rain? How Do Agricultural Shocks Affect Non‐Farm Enterprises? Evidence from Thailand” (Katharina Grabrucker und Michael Grimm, beide Universität Passau), erschienen im American Journal of Agricultural Economics

Die Autoren untersuchen in dieser Studie die direkten und indirekten Effekte von Wetterextremen in Thailand. Insbesondere geht es um die Übertragung dieser Schocks entlang der Wertschöpfungsketten auf die Wirtschaftszweige, die vor bzw. hinter den Bauern liegen bzw. die über Arbeitsangebots- und Nachfrageeffekte durch die Bauern auf den Rest der Wirtschaft übertragen werden. Die Studie benutzt umfangreiche Haushaltspaneldaten des TVSEP über mehrere Jahre sowie detaillierte geo-codierte Regenfalldaten. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die Kosten landwirtschaftlicher Schocks höher sind, als von der Literatur bisher suggeriert wird. Trotz einer begrenzten Marktintegration im ländlichen Raum, sind die übertragenen Effekte recht spürbar und betreffen verschiedene Übertragungswege. Eine Implikation der Studie ist, dass soziale Sicherungsprogramme zur Abfederung von landwirtschaftlichen Schocks, auch den nicht landwirtschaftlichen Sektor im Blick haben sollten.

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